Mittelhochdeutsche Metrik

Betonungsregeln

Grundsätzlich gilt für die mhd. klassische Metrik, dass metrische und sinnbezogene Betonung im Einklang stehen sollten. Es gibt eine umfangreiche Gruppe von Wortarten, die metrisch gesehen sowohl hebungs- wie senkungsfähig sind, wie Verben (als Prädikate), Adverbien, Pronomina, Präpositionen. Daneben gibt es hebungsfordernde Silben, namentlich bei Substantiven (mit seltenen einsilbigen Ausnahmen wie s<span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">ó</span> got wíl). Die wichtigste Grundregel für den klassischen Vierheber lautet jedoch, dass innerhalb eines Wortes sprachlich unbetonte Silben nie einen metrischen Hauptton tragen dürfen: Die metrische Betonung darf die sprachliche nicht verletzen. Ein solcher Verstoß hieße Tonbeugung (in Versen des 15./16. Jh.s sind Tonbeugungen jedoch üblich). Dessen ungeachtet begegnet es häufig (beschwerte Hebungen, klingende Kadenzen) und ist sogar eine 'Tugend', dass es dank einer vergleichsweise geringen Silbenzahl zu einer gedrängten Abfolge der metrischen Akzente kommt und diese zwangsläufig auch sprachlich unbetonte Silben treffen: Hier tritt der metrische Nebenakzent (Gravis) ein; er ist kein Verstoß im Sinne einer Tonbeugung! Der sprachliche Nebenton wie etwa auf dem zweiten Glied von Komposita (z.B. úngev<span style="font-family:tumetrik">û</span>ege) wird dagegen metrisch tunlich als Hauptakzent umgesetzt <span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">|zx|zx|</span>). Ein Wort trägt nie allein einen Nebenakzent.