Mittelhochdeutsche Metrik
Elision

Unter Elision versteht man den Ausfall eines Endungsvokals vor vokalischem Anlaut. Sie dient der Beseitigung des sog. Hiats (lat. hiatus – 'Gähnen': Aufeinandertreffen von wortauslautendem und wortanlautendem Vokal), der gemeinhin als unschön gilt. Im Text lässt sich eine Elision durch einen Punkt unter dem zu elidierenden Endungsvokal kennzeichnen:
Hartmann, Gregorius 928: ín daz lében odẹ ín den t<span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">ó</span>t<span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">|zx|,+x|zx|z<|</span>
Ob man elidieren will oder nicht, mag weitgehend Geschmackssache sein; ein Verzicht auf Elision kann z.B. einem beschwingten Rhythmus zugute kommen, der wiederum den Aussageinhalt spiegelt:
Helmbrecht-Prolog, 18: síteche únde t<span style="font-family:tumetrik; font-size:15px;">ú</span>bèn <span style="font-family:tumetrik; font-size:15px;">|,+x|zx|>|y<|</span>
Die zwei Achtel veranschaulichen gewissermaßen das 'Vogelgeflatter' auf Helmbrechts Haube; würde man bei siteche akademisch korrekt elidieren (<span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">|zx|</span>), würden die 'Sittiche' flügellahm (es fragt sich sogar, ob die für die Aussage doch wichtige Pluralform im mündlichen Vortrag noch auf Anhieb kenntlich wäre). Das Beispiel zeigt, dass die Taktfüllung durch den Umgang mit dem sog. Hiat um den Wert einer Silbe beeinflusst wird.