Mittelhochdeutsche Metrik

Germanische vs. antike Metrik

Während die antike Verslehre rein 'messend' (quantitierend) verfährt, nämlich die Silben nur nach lang und kurz unterscheidet,[1] behandelt die germanische Verslehre sie prinzipiell 'wägend' (akzentuierend) – nach betont und unbetont; nur unter bestimmten Bedingungen wird im Mhd. zusätzlich nach der Quantität der Silbe (kurz oder lang) gefragt.
Den Versuch, die Versfüllung Silbe für Silbe schematisch darzustellen, nennt man Metrisierung. Es handelt sich hierbei um eine stark vereinfachende Abstraktion mittels eines metrischen Zeichensystems. (→ Metrische Grundbegriffe und Notationen 1 und 2).
Die betonte Position wird – so auch in diesem Modul – Hebung (sonst auch Iktus), die unbetonte Senkung genannt. Der epische Vierheber ist ein taktierender Sprechvers mit vier Hebungen: Jeder seiner vier Takte setzt mit einer Hebung ein! Die geregelte Abfolge von Hebung und Senkung (also: von betonter und unbetonter Silbe) bezeichnet man als 'Alternieren' (lat. alter = der eine/der andere von zweien: erst die eine Silbe – die betonte, dann die andere – die unbetonte).


[1] Das metrische Schema des iambischen Trimeters sieht folgendermaßen aus: x ― <span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">+</span> ― x ― <span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">+</span> ― x ― <span style="font-family:tumetrik; font-size:16px;">+</span> x (x steht für Anceps: Hier kann wahlweise Kürze oder Länge eintreten.)