Mittelhochdeutsche Metrik
Perspektivierung

Unser Einstiegsbild 'Kuhhaut' ist u.a. bevölkert von fünf vogelfüßigen Teufelchen. Deren eines, der Ich-Sprecher, ist gelehrt genug, als Notator alle nichtigen Geschwätze in der Kirche schriftlich auf einem 'Pergament' festzuhalten, um dann beim Jüngsten Gericht als Ankläger aufzutreten. Er scheint sich auch in der Metrik auszukennen. Sein Text gliedert sich in zwei Großgruppen zu vier und zwei Reimpaarversen, je mit verschiedenen Kadenzen; jeder Bauteil umfasst ein Satzgefüge. Die Vierergruppe referiert den inkriminierten Sachverhalt; das abschließende Reimpaar droht mit den fatalen Folgen - ein Fazit, das in zweierlei Hinsicht metrisch wirkungsvoll mit der voraufgehenden Vierergruppe kontrastiert: Bei zügig alternierendem Ablauf werden die zuvor herrschenden klingenden Kadenzen von energischen vollen Kadenzen abgelöst.
Im folgenden soll etwas ausführlicher veranschaulicht werden, wie das im theoretischen Teil vorgestellte metrische Instrumentarium daran beteiligt ist, die Textaussage zu akzentuieren und zu profilieren. Dies führen wir an zwei bekannten Prologen vor.